Auf allen Kanälen: Pressefreiheit gilt nur, wenns nett bleibt

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Rund um den Frauentag berichtete das Zürcher Radio LoRa vor Ort über die Kundgebungen. Nun erheben die «Radias» Vorwürfe gegen die Polizei.

Pressefreiheit gilt nur, wenns nett bleibt


Rund um den Frauentag berichtete das Zürcher Radio LoRa vor Ort über die Kundgebungen. Nun erheben die «Radias» Vorwürfe gegen die Polizei.


Von Natalia Widla


Das Zürcher Radio LoRa ist eine Instanz. Seit bald vierzig Jahren sendet das nichtkommerzielle Lokalradio für Aktivistinnen, für Migranten, für Personen, die im Gefängnis sitzen – und auch für alle anderen, die das bunte, experimentelle und vielsprachige Programm der kleinen Station mit Sitz im Langstrassenquartier zu schätzen wissen. Das LoRa polarisiert, stellt in seinen Formaten ganz unverhohlen die Macht infrage und eckt damit auch an – für die Zürcher Stadtpolizei wohl etwas zu sehr.


Während der feministischen Proteste rund um den Frauenkampftag am 8. März war die feministische Redaktion des LoRa unterwegs, um direkt aus dem Herzen der Kundgebungen, Sitzstreiks und Demonstrationen zu berichten – so wie es das LoRa seit Jahrzehnten macht.


Doch dieses Jahr war es der Stadtpolizei Zürich wohl etwas zu viel des Guten. An der Demonstration vom 6. März auf dem Helvetiaplatz wurden die «Radias», wie sich die feministischen Sendungsmacherinnen nennen, vom Platz verwiesen, weil sie mit ihrem Bus, aus dem live das Radioprogramm gesendet wurde, zu einer illegalen Zusammenrottung von Menschen beitragen würden, so erzählt Redaktionskoordinatorin Nekane Txapartegi.

Falsch parkiert!


«Erst hiess es, wir sollten gehen, weil wir die Coronaregeln nicht einhielten, dann wieder, weil unser Auto als Privatfahrzeug auf dem Platz nicht erlaubt sei», erinnert sich Txapartegi. «Das Vorgehen der Polizei schien willkürlich, jeder Beamte sagte wieder etwas anderes.» Schliesslich wurde der Übertragungsbus von einigen Beamten an den Rand dirigiert, wo die Radiomacherinnen von der Verkehrspolizei prompt eine Busse wegen Falschparkieren bekamen.