Corona-Krise oder Care- Notstand? Wir fordern die Kritikfähigkeit zurück!

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Feministischer Zusammenschluss gegen den Corona-Lockdown.


Wer gegenwärtig die staatlichen Zwangsmaßnahmen anzweifelt oder gar kritisiert, wird – auch und gerade in gesellschaftskritischen Kreisen – sofort der mangelnder Solidarität bezichtigt und beschuldigt, die für die Eindämmung der Pandemie lebensnotwendige Disziplin in der Bevölkerung zu untergraben. Angesichts der Toten in Italien steht jeder Einwand, ja selbst jede Frage, sofort mit dem Rücken zur Wand: „Du siehst doch, wie viele Menschen sterben!“ Dabei wissen wir, dass es keine Bilder gibt, die für sich selbst sprechen. Mit unseren Fragen bezweifeln wir nicht die Toten, sondern wir sagen, dass die Gründe dafür nicht evident, das heißt, in den Bildern selbst enthalten sind.

Wir verstehen uns als Teil der internationalen feministischen Streikbewegung, und wir melden uns zu Wort, weil wir das Gefühl nicht loswerden, dass der von der feministischen Bewegung seit Jahren skandalisierte Care-Notstand entnannt und unter dem Label einer Corona-Krise in etwas anderes verwandelt wird. Was die Spitäler an ihre Grenze bringt, ist nicht das Coronavirus, sondern das neoliberale Finanzierungsmodell und der jahrelange Sparzwang, der es Einrichtungen wie Spitäler und Pflegeheimen nicht mehr erlaubt, auf einen sprunghaften Anstieg von Kranken, wie er sich auch während starken Grippeepidemien ereignen kann, adäquat zu reagieren.


Wir fordern seit Jahren, dass Care-Dienstleistungen nicht als Kostenfaktor dargestellt werden, weil sie die Grundlage jeder Gesellschaft bilden. Wir fordern seit Jahren, endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass der Care-Sektor strukturell massiv unterfinanziert ist und dass nicht die Wirtschaft diesen subventioniert, sondern dass umgekehrt die Care-Arbeiter_innen mit ihrer schlecht oder gar nicht bezahlten Care-Arbeit den Rest der Wirtschaft subventionieren. Wir fordern seit Jahren ein Ende der unsinnigen Restrukturierungen im Care-Sektor, die versuchen, Care-Dienstleistungen wie eine Autoproduktion zu reorganisieren. Wir fordern das Ende des Todsparens von Krankenhäusern, Schulen, Pflegeheimen und Kitas – statt einer in ihrer Wirkung höchst zweifelhaften Maßregelung der Bevölkerung, die sämtliche demokratischen Grundrechte mit Füssen tritt. Wir fordern das Ende einer öffentlichen Berichterstattung, die keinen Raum mehr für divergierende Meinungen lässt und die Bevölkerung in Angst und Panik versetzt.

Wir sind zutiefst beunruhigt, in welcher Windeseile das kritische Denken aus der Öffentlichkeit verschwunden ist und wir sind bestürzt darüber, wie rasch wir uns diese haben nehmen lassen. Es gibt keine Öffentlichkeit mehr, wenn alle Plätze geschlossen und Versammlungen untersagt sind. In atemberaubendem Tempo haben wir die Haltung übernommen, dass wir jetzt alle eins sind und jede Infragestellung der Maßnahmen weitere Tote verursacht, für die wir die Verantwortung tragen. Wir scheinen vergessen zu haben, dass wir auch eine Verantwortung tragen, wenn wir nicht nachfragen.

Es gibt mittlerweile zahlreiche Stellungnahmen von Virolog_innen, Ärzt_innen und anderen Fachpersonen, die nicht in den offiziellen Konsens einstimmen und die Zweckmäßigkeit der gegenwärtigen Maßnahmen in Frage stellen. Wir verstehen nicht, warum diese Gegenstimmen und Kritiken von den Behörden und Entscheidungsträger_innen, aber auch von den öffentlichen Medien systematisch ausgespart, ja totgeschwiegen werden. Wir fordern alle Regierungen und die Öffentlichkeit auf, sich dieser Kritik zu stellen! Da sich die meisten Menschen heute offenbar vorwiegend an den offiziellen Verlautbarungen orientieren, halten wir es für zentral, die wichtigsten Argumentationsstränge dieser Kritiken zusammenzufassen und einige der wichtigsten Quellen anzugeben, damit wir uns als Staatsbürgerinnen wieder ein eigenes Bild machen können. Es ist uns unverständlich, warum wir ausgerechnet in dieser äußerst ernsten Lage behaupten, dies zu tun sei einem Laien nicht möglich.

Uns macht misstrauisch, dass diese kritischen Stimmen sowohl in der offiziellen Berichterstattung wie offenbar auch in den Prozessen der Meinungsbildung der politischen Entscheidungsträger_innen fehlen. Es kann nicht sein, dass in einer Demokratie bei solch gravierenden und einschneidenden staatlichen Maßnahmen die politischen Entscheidungsträger_innen sich nicht umfassend, das heißt, plural informieren.2 Wir handeln, weil wir befürchten, in eine totalitäre Situation zu geraten. Und dies bezieht sich nicht nur auf die jetzige Situation, denn die aktuell getroffenen Entscheide haben auch Auswirkungen auf die Nach-Corona-Zeit.

Initiative und dieser Aufruf wurde verfasst vom Kollektiv: Feministischer Zusammenschluss gegen Denkblockaden – Corona-Krise oder Care- Notstand?

Ganze Text und Quellen findet ihr unter www.www.feministischerlookdown.org






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